Ich habe einen Lieblingsplatz

Iris Hobler Achtsamkeit, Innehalten, Pause, Ruhe

 

Er liegt im Schlosspark, eine halbe Stunde gemütlichen Spaziergangs vom heimischen Büro entfernt. Der Schlosspark ist einer von diesen wunderbaren Orten: ein englischer Landschaftsgarten, sanft hügelig, mit Bäumen mehr als 200 Jahre alt und mächtig. Jedes Mal, wenn ich hierher komme in der kurzen Zeitspanne, seit ich hier lebe, entdecke ich etwas Neues. Diese Krümmung des Weges, das steinerne Bänkchen dort, die rissig-moosige Baumrinde, den bis dahin noch nie geschauten Blickwinkel.

Der Lieblingsplatz, das ist die kleine Fontäne. Oben aus einem Steinhaufen, der üppig mit grünem Moss bewachsen ist, sprüht sie heraus. Bei Sonnenschein funkelt manchmal ein kleiner Regenbogen in ihrer feinen Gischt. Die Wassertröpfchen, tausende immerzu, perlen das Moos hinab. Ringsum Gräser und Farne und Sträucher und Bäume. Die auch im Sommer immer noch den Blick freilassen auf den Hang im Hintergrund, der allmählich in den Wald übergeht. Jetzt, im Winter, liegen oft dichte Nebelschleier im Park und das tropfende Geräusch klingt wie beschwichtigt.

Weil diejenigen, die den Park gestaltet haben, sich wohl auch der Magie dieses Platzes bewusst waren, haben sie ein kleines hölzernes rundes Häuschen mit Bänken hierher gestellt. Hier sitze ich, höre, spüre, rieche und schaue dem Sprühen des Wassers zu. Manchmal werden die kleine Fontäne und ich eins. Und wenn ich nach der Pause aufbreche und diesen Ort verlasse, neigt sich die Gischt, ganz leicht, in meine Richtung.