Mein Enkel, der Entdecker

Sabine Greuling Alltag, entdecken, innehalten, Kinder, Moment

Von Bäumen im Wind

Lennart hat eine ganz besondere Sicht auf die Dinge, ohne Bewertungen oder Zuordnungen. Er stellt mir Fragen, über die ich mir nie zuvor Gedanken gemacht habe.

Kürzlich: Wir sind wieder einmal im Auto unterwegs. An einer roten Ampel fragt Lennart, ob wir ein wenig Musik hören können. Ich schalte das Radio ein. Lennart hört zu, blickt in die Kronen der Bäume am Straßenrand und sagt: „Oma, ist dir eigentlich schon mal aufgefallen, dass die Blätter und Äste sich zur Musik bewegen, egal ob die Musik schneller oder langsamer ist? Weiter unten sind die Blätter fast ruhig, und oben bewegen sie sich ganz schnell, als wenn sie tanzen.“ Der nächste Musiktitel kommt und gemeinsam stellen wir fest, dass sich für uns die Bäume im Wind immer passend zur Musik bewegen.

Solche kleinen, kostbaren Momente – Achtsamkeit mitten im Leben! Sobald wir (Erwachsene) uns im raschen Strom der Zeit bewegen, ist unsere Sicht auf die Dinge eine aus der Gewohnheit heraus. Fast alles rast vorbei, wir sind immer auf der Überholspur, oftmals verbissen. Die Herausforderungen des Alltags haben für uns hohe Priorität. Unter solchen Umständen ist  kaum Platz für eine Entdeckung, für einen Moment der Irritation und eine andere, kreative Sicht.

Dabei gibt es diese kleinen Augenblicke überall. Einfach, indem wir für einen kurzen Moment ganz bewusst und aufmerksam sind. Etwas betrachten, als sähen wir es das erste Mal. Uns bezaubern lassen dadurch, wie neu und frisch aussieht. Und das sogar an einer roten Ampel … Danke, Lennart.